REOC International Rally 2023 – 9

Nachdem ich wieder auf dem Festland bin, bzw. auf der Halbinsel Pelje?ac, nehme ich erstmals die Abkürzung über die neue Brücke die die Halbinsel mit dem kroatischen Festland. Diese Brücke, von Chinesen gebaut, erm?glicht es dem Autofahrer den umst?ndlichen Weg über Neum in Bosnien Herzegowina zu vermeiden. BIH hat einen vielleicht 10 km langen Küstenabschnitt. Das bedeutet innerhalb kürzester Zeit zweimal EU-Au?engrenze. Und wehe dem der keine grüne Versicherungskarte (die heute wei? ist) dabei hat. Das kann in der Hauptsaison schon mal Stunden dauern. Da ist es deutlich entspannter über das bosnische Hinterland auszuweichen.

Mit der neuen Brücke allerdings ist das alles sehr entspannt. Und seit Anna mir erz?hlt hat dass diese Brücke kein Teil der Autobahn ist und somit kostenlos, umso besser ?

Für etwa 100 Kilometer bleibe ich auf der Küstenstra?e. Das ist jetzt in der Vorsaison sogar fast ein klein wenig entspannt. Fast zumindest. Es sind mal wieder diese in Gruppen rasenden Motorradfahrer. Diesmal fast ausschlie?lich BMW GS in sp?ter Ausbaustufe. Die meisten Fahrer nicht mehr die jüngsten. Da wird echt immer und überall überholt was das Zeug h?lt. Wo die ersten drei noch gut vorbei kommen hat der letzte meist schon fast das Totenhemd an. Ich habe da wirklich kein Verst?ndnis und es stresst mich zunehmend.

Ich bin froh als ich endlich, kurz hinter Carevici, von der Küstenstra?e abbiege ins Landesinnere. Von jetzt an ist alles wieder gut. Kaum Touristen, kaum Verkehr und keine GS. Haupts?chlich fahre ich entlang der bosnischen Grenze in Richtung Norden. Ich navigiere mal wieder mit dem B-Line Moto, was in Gegenden mit schwachem Internet nicht immer so gut funktioniert. Auch friert die App immer wieder mal ein und das nervt.

N?rdlich des Nationalpark Plitvicer Seen wei?t mich das B-Line überraschend und herrisch an links abzubiegen. OK denke ich mir. Ist ja ein Motorrad Navi und vielleicht h?lt es eine angenehme ?berraschung für mich bereit … Es ist eine wundersch?ne Strecke durch die Bergwelt des n?rdlichen Kroatiens. Kleine schmale und kurvige Stra?en, kein Verkehr. Aber leider auch keine Infrastruktur und es wird so langsam immer sp?ter. Ich befrage Google nach einem Hotel oder Camp, bekomme aber keine sachdienlichen Hinweise. Es wird immer enger und einsamer, die D?rfer immer kleiner. Die App friert immer wieder mal ein und der Garmin ist v?llig aus dem H?uschen. In einem kleinen Dorf komme ich an einer Veranda mit zwei ?lteren Herren vorbei. Sie beobachten mich ungl?ubig. Ich grü?e und fahre selbstsicher weiter. Ich biege ab und im n?chsten Dorf begutachtet eine Frau lachend mein Konglomerat auf Abwegen.

Es geht talw?rts. B-Line Moto sagt gar nichts mehr. Mit Abweichungen von der Route ohne Internet kann er gar nicht umgehen. Der Belag wechselt von Schotter zu grobem Ger?ll. Ich komme an eine Kreuzung mit Grill- und Fu?ballplatz in absoluter Einsamkeit. Es wird schlammig und fast fahre ich die schwere Fuhre fest. Mühevoll wende ich das Motorrad und an der Kreuzung nehme ich irgend einen Weg der mir Fahrbar erscheint. B-Line hat wieder einen Weg gefunden und als ich nach einer Stunde wieder bei Walldorf und Statler vorbei komme k?nnen sich die beiden das breite Grinsen nicht verkneifen. Ich aber auch nicht … ?

Ich finde die Kreuzung an der ich falsch abgebogen bin, folge einem PKW der aussieht als kenne er den Weg in die Zivilisation und wenig sp?ter stehe ich vor dem gro?en Hotel-Restaurant Bosiljevo, sp?t sozialistischer Pr?gung. Bis hier hin und nicht weiter. Für 30 Euro bekomme ich ein Zimmer, für 20 Euro ein üppiges Abendessen. Feierabend.

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